Gefühle

Wie deine Gedanken dein Verhalten und dein Familienleben bestimmen

von Manuela

Wie deine Gedanken dein Verhalten sowie deine Gefühle bestimmen und welchen Einfluss das auf dein Familienleben hat

Gedanken lösen Gefühle aus

„Mama, du bist blöd!“ ist ein Satz, den wir Mütter sicherlich alle schon mal gehört haben.
Was löst er bei dir aus? Warum trifft dich dieser Satz, macht dich sogar wütend? Verbindest du mit diesem Satz etwas zuvor Erlebtes? Erinnert er dich an etwas? Zweifelst du vielleicht selbst an dir? Hattest du einen stressigen Tag in der Arbeit, Konflikte und Auseinanderstetzungen, die an dir zehren?

All diese (unterbewussten) Erfahrungen, Erinnerungen und Gedanken, die entstehen, ganz egal woher sie kommen, lösen ein Gefühl in dir aus. Genau das ist ausschlaggebend dafür, wie du auf diese Situation, in diesem spezifischen Moment reagierst. Du siehst, unsere Erfahrungen, unsere Vergangenheit und auch unser aktueller Gemütszustand sind nicht ganz unerheblich, wenn es darum geht, wie dieser Satz auf uns wirkt und welche Handlung aufgrund dessen folgt. Die Frage ist also: Wenn ich das weiß, was kann ich tun, um meine Reaktion zu verändern?

Gefühl oder Emotion: Gibt es einen Unterschied?

Das ist gar nicht so einfach zu beantworten. Im Alltag sind Gefühl und Emotion Synonyme, während in der wissenschaftlichen Literatur hier oft differenziert wird – je nach Autor auch ganz unterschiedlich. Antonio Damásio und Paul Ekman beispielsweise unterscheiden Emotionen und Gefühle:

Emotionen entstehen durch einen äußeren Reiz, sind bei allen Menschen gleich vorhanden und lösen verschiedene Reaktionen (hormonell und neuronal) im Körper aus. Bei Angst z.B. erhöhen sich dein Noradrenalin-Spiegel und die Herzfrequenz. Du atmest schneller, fängst vielleicht an zu schwitzen, während sich gleichzeitig deine Pupillen weiten und deine Mimik ernst wird (zum Lachen ist dir in dieser Situation sicherlich nicht zumute). Außerdem sind sie, im Gegensatz zu Gefühlen, nur schwer steuerbar. Sie sorgen für Handlungen, die wir als Menschen ausüben. 

Gefühle sind dagegen mehr das subjektive Empfinden und Erleben des Einzelnen auf die Emotion dar. Sie sind im Gegensatz zu Emotionen mal mehr und mal weniger intensiv, aber immer vorhanden. Durch sie schaffen wir uns Erinnerungen und sie helfen uns dabei, Entscheidungen zu treffen. 

Gefühle und Emotionen wirken demnach aufeinander. Gefühle sind dann Ausdrucksformen von EmotionenDie sogenannten Basisemotionen oder Grundgefühle, die wiederrum unterschiedliche und differenziertere Gefühle auslösen können, sind Wut, Trauer, Angst, Freude, Ekel, Scham, Überraschung.

Das ABC-Modell der Kognitionspsychologie

Ich bin mir ganz sicher, dass du diese „Du bist eine blöde Mama“ – Situation kennst. Dein Kind schaut dich erbost an, beschimpft dich, schreit dich vielleicht an oder kneift, zwickt, beißt. Es ist so richtig wütend (über Kindwut findest du einiges hier.)

Alle deine Sinneskanäle sind offen – du nimmst in diesem Fall also diese auditiven (die Töne, die dein Ohr erreichen, also der Satz „Blöde Mama!“), die visuellen (deine wütendes Kind) und kinästhetischen (kneifen, zwicken usw.) Reize war.

Und das macht was mit dir: Die in deinem Unterbewusstsein sitzenden Erfahrungen, gepaart mit Gedanken bzw. Glaubenssätzen bewirken, dass Emotionen in dir erzeugt werden.

Diese haben die Aufgabe, dass du eine Handlung vollziehst. Auf die Reize folgt also eine Reaktion!

Genau das zeigt das sogenannte ABC-Modell in der Kognitionspsychologie. Es besagt, dass ein wahrgenommener (unbewusster) Reiz wahrgenommen, bewertet und interpretiert wird. Anhand dieser Bewertung und/oder Interpretation folgt dann ein bestimmtes Verhaltensmuster. Am Beispiel vom oben bedeutet das:

A ⇒ Activating Event „Blöde Mama“
B ⇒ Belief „Er soll so nicht mit mir sprechen, das ist respektlos“
C ⇒ Consequence – das emotionale Ergebnis der Bewertung → Wut

Dem „Belief“ geht in irgendeiner Form eine Erfahrung (verbunden mit einem Gefühl, das wiederum Hinweis auf ein Bedürfnis gibt!) voraus. In diesem Fall ggf. auch einfach nur die gesellschaftliche Norm, dass Eltern mit Respekt behandelt werden sollen. Aber, wenn ich meine Gefühle überdenken möchte, fange ich bei der Bewertung der Situation an und gehe dann dazu über, welches Gefühl dabei herauskommt.

Antonio Damásio unterscheidet zum Beispiel

Beispiele
„Ich muss das schaffen!“ Gefühl ist z.B. Unzulänglichkeit oder Motivation, dahinter steckt ggf. die Emotion „Angst“ oder „Freude“, je nach Kontext
„Hör auf dies oder jenes in der Öffentlichkeit zu sagen oder zu machen“ Gefühl ist z.B. Scham, „peinlich berührt sein“, dahinter steckt ggf. die Emotion „Angst“
„Wenn das passiert, das wäre ja schrecklich!“  Gefühl ist z.B. Überforderung, dahinter steckt ggf. die Emotion „Angst“
„Du machst das nur mit Absicht!“ Gefühl ist ggf. Empörung, dahinter steckt die Emotion „Wut“
„Oh, haben wir Glück, dass…“ Gefühl ist z.B. Erleichterung, dahinter steckt die Emotion „Freude“

Bewusstsein schafft Klarheit

Konkret kann das bedeutet, dass wir auf verschiedene Emotionen unterschiedlich reagieren:

• Wut → Abwehr, Kampf, Flucht, Erstarren
• Trauer → Abschied nehmen
• Angst →  Rettungssuche
• Freude → Dankbarkeit

Gleichzeitig kann auch bei Trauer, Angst oder Kränkung auch Wut dazwischen geschaltet sein. So löst beispielweise Trauer eine Hilflosigkeit aus, die in Wut umschwenken und dann die Reaktion „Abwehr, Kampf, Flucht oder Erstarren“ in dir hervor bringt. Oft denken wir dann wütend zu sein, sind aber eigentlich traurig!

In meinen Einzel- und Gruppengesprächen mit Klientinnen als auch in meinem Mentoring-Programm „Gemeinsam wachsen: Von der Wut zur respekt- und liebevollen Eltern-Kind-Kommunikation“ geht es genau darum, dass wir in verschiedenen Konfliktsituationen uns wieder spüren lernen. Herausfinden, welcher Gedanke welches Gefühl und welches dahinterliegendes Bedürfnis in uns die jeweiligen Reaktion ausgelöst hat.

Wie deine Gedanken und dein Verhalten deine Gefühle bestimmen_sprachzeichen

Die Rolle der Gedanken

Vielleicht kennst du das klassische Autosuggestionsbeispiel, in der du dir vorstellst, wie du den Kühlschrank öffnest, dir die gelbe, saftige Zitrone herausholst, sie auf ein Brett legst, mit dem Messer eine Scheibe abschneidest und genüsslich in diese Scheibe Zitrone beißt.

Und, vorgestellt? Vielleicht läuft dir dabei das Wasser im Mund zusammen?
Genau das passiert, wenn wir in Gedanken erleben. Unser Körper macht keinen Unterschied darin, ob etwas real oder im Kopf erlebt wird. Er reagiert immer gleich!

Im obigen Beispiel „Du bist eine blöde Mama!“ triggert dich demnach nicht die Aussage selbst, sondern eben der belief, dein Gedanke, der mit der Aussage in deinem Kopf entsteht.

Das bedeutet: Du kannst deine Gedanken ändern und dich damit für oder gegen ein Gefühl entscheiden, denn Gefühle entstehen in uns drin, wir erzeugen sie und wir können auch, mit Geduld und Ausdauer, mit Wissen, Bewusstsein (über dich und dein Kind) und Übung, über sie herrschen.

Beispiel:
Dein Kind rennt im Supermarkt weg. Du kannst darüber sauer reagieren, dass es „nicht hört“ und einfach weggelaufen ist (Gedanke: „Das ist ja wieder typisch. Immer läuft er weg. Nie hört er auf mich!“ und „Was mache ich denn jetzt nur?“). Du kannst es ausschimpfen „Ich habe dir gesagt, du sollst bei mir bleiben“ und ihm/ihr ein schlechtes Gewissen machen.

Alternative:
Du kannst aber auch ins Vertrauen gehen darauf, dass ihr euch natürlich wiederfindet. Stolz sein, dass er so einen Forscher- und Entdecker-Drang hat, beim Finden ‚erleichtert‘ und voller Dankbarkeit und Glück sein! Denn das ist vermutlich das, was du wirklich bist!

Nicht die Ereignisse selbst sind es, welche die Menschen betrüben, sondern ihre Vorstellungen über diese Ereignisse.“
(Epiktet)

Das würde bedeuten, dass du den Blickwinkel auf die Situation änderst, dir klar wirst, dass du gar nicht wütend, sondern primär ängstlich um dein Kind warst. Dass die Angst in dir dich erstarren lässt, weil du dich hilflos fühlst und gern die Kontrolle behalten wolltest.
Wenn du dir bewusst bist, dass dein Kind nicht weggelaufen ist, um Wut in dir zu erzeugen, kannst du deine Reaktion auf das Verhalten des Kindes verändern.

Wenn du dann dein Kind findest und sagst, wie froh und erleichtert du bist, dass ihr euch wieder gefunden habt, welche Angst du hattest es nicht wieder zu sehen, erzeugst du Nähe statt Distanz, Bindung statt Trennung.
Und das ganz ohne Schuldgefühle bei deinem Kind zu erzeugen oder gar mit Erziehungsmethoden wie Bestrafung ‚arbeiten‘ zu müssen (denn ein Miteinander ohne Strafen ist möglich!).

Einfluss auf das Familienleben

In der Eltern-Kind-Beziehung sind jedoch Erziehungsmethoden wie Belohnung, um „positive Gefühle“ zu wiederholen oder Strafen (um „negative“ Gefühle zu vermeiden“) die Reaktion der Eltern auf das (unerwünschte) Verhalten des Kindes. So ist so etwas schnell ausgesprochen:

„Wenn du dich einfach anziehen würdest, dann müsste ich nicht so mit der schimpfen und drohen – du willst es scheinbar nicht anders.“

„Wenn sich mein Kind nur ‚anders‘ verhalten würde, dann wäre es ja leichter“, denkst du dir dann vielelicht.
Das ist die Rechtfertigung für deine Reaktion, die jedoch einem falschen Ursache-Wirkungs-Prinzip unterliegt. Weil da ein Konflikt ist, den es zu überwinden gilt, entsteht jedoch ein Schmerz beim Elternteil:

Du bekommst Zeitdruck. Du hast das Gefühl, dass du ’nicht gesehen‘ wirst oder dir dein Kind ‚zum wiederholten Male nicht zuhört‘ (oder gehorcht? Fühl mal!). Da ist ein Triggermoment, der in dir etwas auslöst.

Welchen Einfluss haben unsere Gedanken und das Verhalten auf das Zusammenhalten_sprachzeichen

Genau HIER solltest du also bewusst in dich hineinhorchen und diesen Moment, diesen Trigger reflektieren.

Weil ein Konflikt weh tut, Stress auslöst und unser Gehirn in den Kampf-Modus switcht (aus Wut oder Angst!), suchst du nach der Ursache, um „das Problem“ so schnell wie möglich zu heben.
Und die Ursache ist scheinbar schnell gefunden:

⇒ Das Kind ist die Ursache
⇒ das Kind hat die Schuld
⇒ Das Kind ist schuld für deine Gefühle und weiter auch
⇒ für deine Reaktion und Handlung in dieser Konfliktsituation.

Denkst du. Und so wird durch die Auferlegung der Strafe jemand schuldig gemacht, der im Grunde schuldlos ist – sich aber zunehmend schuldig fühlen wird. Und verantwortlich.

Dabei ist alles, was entsteht, in dir drin. In deinem Kopf. Das Kind ist nicht schuldig für das, was in dir drin ist. Es ist noch weniger verantwortlich dafür.

Denn: Alles, was in dir ist, ist in dir drin. Du alleine trägst die Verantwortung für deine Gefühle, die sind und für die Art und Weise, wie du reagierst.

Fazit

Miteinander ist komplexer als wir denken, denn unsere eigenen Biographie und damit die eigenen Erfahrungen, Glaubenssätze und Gedanken gepaart mit den Gefühlen, die wir haben, sind maßgeblich dafür verantwortlich, wie wir reagieren.

Wir können jedoch aktiver, selbstbestimmter und bewusster agieren und sind nicht unseren Emotionen ausgeliefert: Wenn wir mutig genug sind, genau hinzuschauen, hinzufühlen und gewillt sind in die Veränderung (unserer Gedankenwelt, Haltung, Blickwinkel) zu gehen.

Genau hier setzt meine Vision an mit meiner Tätigkeit als Mentorin, sei es in meinen Einzelgesprächen oder im Mentoring-Programm „Gemeinsam wachsen: Von der Wut zur respekt- und liebevollen Eltern-Kind-Kommunikation“:

Ich möchte dich zu einem bewussten Elternteil führen, fähig, dich so zu reflektieren, dass du jeden Tag zu deiner besten Version wirst und deinem Kind dadurch das größte Geschenk machst, das du machen kannst:

Du gibt ihm / ihr damit die Chance, sich frei zu entwickeln. 

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