Alltag

Essen ist Liebe- Wie du das gemeinsame Essen schöner gestaltest

von Manuela

„Essen gibt’s!“

Du warst gefühlt Stunden in der Küche oder du hast in Windeseile schnell irgendwas zum Essen gezaubert, weil dein Kind gerade vor dem Hungertod steht.

Du hast dich so beeilt, JETZT ist es fertig. JETZT ist es warm.
Der Tisch ist gedeckt, los geht’s.

„Hey, Essen ist fertig! Los geht’s!!“ Keine Reaktion.
„Was ist denn jetzt? Kommst du? Wir essen jetzt!“

Dein Kind spielt in aller Ruhe weiter, ist vollkommen desinteressiert an der Tatsache, dass es Essen gibt.

In dir steigt langsam das „Wutbarometer“:

  • du hast dich so beeilt
  • du hast so viel Liebe in das Essen gesteckt
  • du hast es SO GUT MACHEN WOLLEN und jetzt?

Du wirst schon langsam pampig.
„Ich ess jetzt. Dann wird dein Essen eben kalt“ sagst du vielleicht leicht genervt.

Eine „gute Stimmung beim Essen“ ist bereits davor schon im Eimer.

Respektvolles Miteinander von Anfang an

So zumindest schaute bei uns der „Essen-kommen-“ Alltag aus, bis ich mich endlich mal fragte: Warum ist das bei uns immer so ein Stress mit dem Essen?
Ich stelle immer wieder fest, wie schwer es ist, Gewohnheiten aufzugeben, sich selbst zu hinterfragen.

Warum kommt dein Kind nicht, wenn das Essen fertig ist?

Das ist oft ganz einfach. Es spielt gerade. Es ist gerade voll beschäftigt und mittendrin mit dem, was es tut.
Der „Jetzt-essen-fassen“- Befehl reißt dein Kind quasi komplett aus seiner Tätigkeit heraus.
Stell dir vor, du arbeitest und jemand „befielt“ dir,  jetzt sofort alles stehen und liegen.
Ich wette, du würdest so etwas sagen wie:

„Ich mache das noch fertig. Dann komme ich.“ Du bist schließlich ein Individuum, ein Subjekt und kein Roboter oder „Ding“, das auf Knopfdruck funktioniert. Du bist dein eigener Herr.
Und so geht es deinem Kind auch.

  • Auch Kinder wollen respektvoll behandelt werden.
  • Auch Kinder wollen als Mensch gesehen werden.
  • Auch Kinder möchten ihr Gesicht wahren, selbst entscheiden können, wann sie etwas tun. Besonders dann, wenn sie gerade mitten in der Autonomiephase sind.

Aber das Essen ist jetzt fertig und jetzt warm! Wie bekomme ich mein Kind dann zum Essenstisch?


1.
In dem du achtsam und respektvoll mit deinem Kind umgehst:

Das Essen ist also fertig. Dein Kind spielt noch.
Du gehst zu deinem Kind, berührst es am Arm und fragst: „Kann ich dich kurz stören?“
Vielleicht schaut es dich schon direkt an oder es macht „noch kurz“ etwas fertig.

„Das Essen ist fertig. Kommst du? Ich möchte erst anfangen, wenn alle da sind. Auch du bist wichtig.“ – „Ich mach das noch fertig, und dann komme ich.“

Kinder merken, dass sie wertvoll sind, nicht daran, dass sie funktionieren müssen, sondern daran, dass sie auch wichtig sind.

2. Indem du deine eigenen Erwartungen und Ansprüche vom „perfekten“ Essen hinterfragst. Worum geht es dir also wirklich?

  • Willst du, dass dein Kind kommt, wenn du es willst? (Dann wird dein Kind zum Objekt)
  • Sorgst du dich, dass es vom „kalten“ Essen Bauchschmerzen bekommt?
  • Möchtest du gesehen und gewertschätzt werden? (Anm.: das ist nicht die Aufgabe deines Kindes)
  • Ist es dir wichtig, dass die ganze Familie am Tisch zusammen ist und wenn ja, warum? (Dann ist das eines deiner Werte – wie schön! Sag es deinem Kind!)

 3. Indem du die Essensituation zu etwas Schönem mitgestaltest, Lust darauf machst:

  • Ist das Essen selbst schön? Hat man da Lust drauf?
  • Hat dein Kind seinen eigenen Platz, seinen eigenen Lieblingsteller, sein Lieblingsglas?
  • Mag dein Kind mithelfen und im „Prozess“ mit eingebunden sein (z.B. Tisch decken)?
  • Gibt es gemeinsame Rituale vor und nach dem Essen? (Tischsprüche)

4. Indem ihr Eltern eine gute Atmosphäre schafft – das ist tatsächlich das Allerwichtigste für Kinder.

  • Macht es Spaß an den Tisch zu kommen, bei der Familie zu sein?
  • Ist die Stimmung gut, also authentisch so, wie es jedem geht? Wichtig: Es muss nicht immer harmonisch zugehen. Es ist vollkommen in Ordnung, wenn Mama heute schlecht drauf ist und Papa eine blöde Erfahrung gemacht hat und davon berichtet. Das Leben beinhaltet alle Emotionen!

Wie du eine gute Atmosphäre schaffen kannst

Essen ist nicht nur die reine Nahrungsmittelaufnahme, sondern tatsächlich das größte Symbol der Liebe.

Essen ist Liebe. Es ist etwas ganz persönliches, etwas, wo man sich selbstwirksam erlebt, sich „etwas Gutes“ tut.

Essen ist unser aller erstes Bedürfnis, das mit Nahrung und Nähe gestillt wird – es ist also ein Zeichen von Fürsorge. Auch für uns Erwachsene hat das gemeinsame Essen einen hohem Stellenwert, denn oft ist es der einzige Moment des Tages, an dem die ganze Familie an einem Ort zusammen versammelt istEines der größten Probleme beim Essen ist es, dass wir nicht nur selbst Hunger haben (und vielleicht schon unleidlich deshalb werden), sondern erwarten, dass alles nach unserer Vorstellung (perfekt) läuft.

  • Dass jedem das Essen schmeckt
  • Dass ihr „wertvolle“ Gespräche führt
  • Dass alle glücklich sind
  • Dass alles auf dem Tisch steht und du kein einziges Mal aufstehen „musst“
  • Dass nebenbei keine Chaos entsteht (was im Übrigen total gut ist, wenn Kinder die Nahrung vor ihnen wortwörtlich „begreifen“, also herummatschen, mit den Fingern essen, befühlen, einmal reinbeißen und den Rest liegen lassen – sie sind wahrlich neugierig auf das, was da vor ihnen liegt!)

Weil das aber in den seltensten Fälle so läuft ;), habe ich hier ein paar Tipps für die Schaffung einer „guten“ Atmosphäre beim Essen für dich:

Tipps für eine gute Atmosphäre und Entspannung beim Essen


1. Stell dein Kind nicht in den Mittelpunkt

„Erzähl doch mal, wie…“ Kinder wollen Teil einer Gemeinschaft sein und sind ganz und gar nicht daran bestrebt als Individuen hervorzustechen. Sie also aufzufordern etwas zu erzählen oder zu machen („Zeig mal wie du…“) gibt ihnen eher das Gefühl ausgeschlossen zu sein

2. Nicht zum Aufessen zwingen!
Aufessen ist ein NO-GO. Dabei verlieren Kinder den Bezug zu ihren eigenen Grenzen, zu ihrem Körpergefühl (satt sein).

3. Keine Aufteilung in „gute“ und „schlechte“ Esser
Vergleichen tut weh. So richtig!
Kinder sind klug – das hat die Evolution super eingerichtet. Sie mögen keine „grünen“ Dinge (Gemüse, z.B. Brokkoli, Rosenkohl, grüne Paprika), weil ihre innere Stimme sagt, dass das bitter, unreif und dadurch ungenießbar ist.
Auch „Rotes“ mögen sie oft nicht, weil ihre innere Stimme sagt, dass es sich hier um etwas Giftiges handeln könnte.
Der Vergleich „aber deine Schwester isst es doch“ ist schmerzhaft. Oder Sätze wie „Du bist einfach ein schlechter Esser.“
Es heißt: „Du magst mich nicht so, wie ich bin. Du akzeptierst mich und/oder meine Entscheidung nicht.“

Kinder haben viel mehr Geschmacksknospen als Erwachsene – sie schmecken genauer, intensiver.
Es kommt alles von allein – hab Vertrauen!

4. Probieren lassen – nie unter Druck!
Um etwas Neues auszuprobieren braucht es viel viel Zeit. Kinder brauchen dafür eine vertrauensvoller Umgebung und ohne Druck die Möglichkeit sich an das Neue heranzutasten.
„Jetzt probier doch mal! Das schmeckt so lecker!“ und bei Ablehnung noch ein „Jetzt stell dich nicht so an…das ist ja mal wieder typisch“ sind also nicht sonderlich hilfreich.
Probieren heißt also sich immer und immer wieder an dasselbe herantasten und bei nicht mögen ausspucken können.

5. Über dein Kind sprechen, während es dabei ist
Das ist etwas, was generell und besonders beim Essen gilt. Gerade dann, wenn Gäste zu Besuch sind, neigen Eltern dazu zu berichten, was ihr Kind alles schon kann, macht, sagt, tut.
Dabei geht es jedoch nicht um das Kind – sondern um dich selbst, deinen Wunsch gesehen zu werden (für „deine“ Leistung)…

Ich möchte nicht, dass jemand ÜBER mich spricht, während ich dabei bin (und auch nicht, wenn ich nicht dabei bin), sondern mich mit einbezieht.

6. Kinder ins Gespräch mit einbeziehen
Kinder langweilen sich schnell, wenn Mama und Papa im Gespräch sind und sie nicht mitreden können. Für Eltern ist jedoch das gemeinsame Zusammensitzen Abends oft der Zeitpunkt schlecht hin, sich endlich mal auszutauschen. Für Kinder sind diese Gespräche aber meist zu komplex, sie können den Themen nicht folgen.
Ein Konflikt ist hier vorprogrammiert („Jetzt lass mich ausreden.“ – „Musst du uns ständig unterbrechen?“)

Es ist also nicht verwunderlich, dass sie dann einer anderen Beschäftigung nachgehen (z.B. „mit dem Essen spielen“, aufstehen) oder wieder Kontakt suchen (z.B. in dem sie das Gespräch gefühlt ständig unterbrechen).
Wie bei allen Dingen sind Eltern Vorbilder. Wenn du von deinem aufregensten Erlebnis des Tages berichtest, vielleicht mag dein Kind das dann auch tun – von ganz alleine.. 🙂
Und ja, vielleicht findest du mit deinem Partner einen anderen Zeitpunkt, wo ihr wirklich nur unter vier Augen reden könnt, wenn es wichtig ist.

7. Höre auf zu kontrollieren, kommentieren, zählen, zwingen
Nochmal: Essen ist Liebe. Und Liebe hat nichts mit Kontrolle zu tun. Ein „Jetzt noch das“, „komm, zwei Bissen gehen noch“, „du hast erst 3 Stück Kartoffel gegessen“ sind fehl am Platz. So macht Essen keinen Spaß.

8. Lebe vor!
Was du isst, wie du isst, warum du etwas so oder so ist. Deine Motive, deine Philosophie, deine Einstellung, dein „Knigge“ – all das lernt dein Kind, weil es dich beobachtet. Es ist die Handlung, die sich Kinder abschauen. Nicht das, was du sagst und vor dich in predigst (und gleichzeitig aber selbst anders handhabst).

9. Hab Geduld und Vertrauen in dein Kind
Der Punkt, den ich mir selbst immer und immer sage. „Mein Kind weiß was es braucht.“
Wusstest du, dass ein Fünfjähriger bis zu 50% seiner kcal in den Wachstum des Gehirns investiert? 50%!!! Kinder brauchen viel mehr Energie als wir denken. Sie haben öfter Hunger. Sie essen manchmal eine ganze Zeit lang nur Nudeln, dann wieder nur Rühreier. Das ist ok. Hab Vertrauen.

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