Bindung

Was dir der wunsch nach "Aufmerksameit" sagt

von Manuela

Die Suche nach Aufmerksamkeit

„Lass sie, sie will doch nur Aufmerksamkeit.“
Hat man zu mir gesagt, als ich ein Kind war. Das hat man auch zu mir gesagt und meinte damit meine eigenen Kinder.
Und paradoxerweise habe ich es selbst auch gesagt, weil ich den Satz schon fast verinnerlicht hatte und anfangs nicht wusste, wie ich reagieren sollte.

Dieser Satz sprudelt nur so heraus, wenn wir unser Kind in einer Situation erleben, in denen das kindliche (Problem-)Verhalten uns so gar nicht passt. Es ist der Ausdruck der Hilflosigkeit – wir wissen das „Warum“ nicht und betiteln es mit „Aufmerksamkeit“

Und damit liegen wir zunächst mal gar nicht so falsch. Evolutionsbiologisch gesehen überlebten Kinder nur dann, wenn sie sich die knappen Ressourcen sicherten. Dazu gehören

  • die Wärme und Liebe der Eltern,
  • die Nahrung, die nicht immer verfügbar war.

Das Kind, das also laut schrie und weinte bekam dementsprechend viel Zuwendung in Form von Nahrung und Liebe – kurz „Mama“. Das ist unter anderem auch ein Grund für Konflikte unter Geschwistern: Mama ist eine wertvolle Ressource, von denen Kinder abhängig sind und ihnen somit das Überleben sichert.

 

Das „Warum“ hinter dem Verhalten erkennen

Zeigt ein Kind jedoch ein „Fehlverhalten“, wollen wir das Problem lösen.

Wir können das ja auch, ganz effizient – schließlich haben wir ja viel Erfahrung und wissen, was los ist (glauben wir zumindest) und schnell können wir auch handeln.
Im Handumdrehen haben wir etwas gesagt, auf eine Art und Weise vielleicht machtvoll gehandelt und das Kind für unser Verhalten verantwortlicht gemacht. Nur leider ist damit das Problem nicht gelöst.

  • Da ist zum Beispiel ein Kind, das im Turnen laut ist, wenn es leise sein soll, das den Kontakt zur Lehrerin sucht (sich an sie schmiegt), obwohl sie wiederholt gebeten wurde Abstand zu nehmen.„Du bist heute ganz schön auffällig. Ich hab dir schon mehrmals gesagt, dass du leise sein solltest… jetzt rutsch zur Seite…“

  • Da ist zum Beispiel ein Kind, das während des Gesprächs der Eltern fünfmal auf’s Klo muss, dafür Hilfe braucht und somit das Gespräch zum Leid der Eltern unterbricht. „Was ist nur los mit dir? Du warst doch gerade schon. Du nervst mich mit deinem Pippi.“

  • Da sind zum Beispiel Geschwister, die sich in die Haare kriegen und herum schreien, obwohl Papa in Ruhe arbeiten will (und das schon so oft gesagt hatte). „Hey, wenn ihr jetzt nicht aufhört und ruhig seid, dann könnt ihr vergessen, dass wir am Wochenende zu Opa fahren!“

Das Problem dabei ist, dass die eigentliche Botschaft des Kindes nicht gehört wird und gleichzeitig kommunikativ eine Trennung entsteht. Ich verliere durch Verurteilung, Bewertung, Moralisieren den Kontakt zu meinem Kind – und schwäche damit auch die Eltern-Kind-Beziehung. Ich erreiche also genau das Gegenteil von dem, was ich eigentlich erreichen möchte.

Hinter jeder Konfliktsituation, hinter jedem Problem liegt eine Ursache. Hinter jedem „Sie/Er will nur Aufmerksamkeit“ steckt ein viel tiefer liegendes Bedürfnis, das nicht erfüllt ist. Das, was wir sehen, ist das Signal des Kindes für sein unerfüllte Bedürfnis.

Das, was wir sehen, heißt übersetzt: „Hilf mir, ich brauche dich, damit es mir besser geht.“

Was ist die Ursache? Was steckt wirklich hinter dem Wunsch nach Aufmerksamkeit?


Wenn du wegen Kopfschmerzen eine Schmerztablette nimmst, dann hast du die Kopfschmerzen gut in den Griff bekommen.
Du hast dann das Symptom „Kopfschmerz“ behandelt. Die Ursache deines Kopfschmerzes aber nicht.
Vielleicht ist also die Ursache dein verspannter Nacken, dein Hormonstatus, all der viele angesammelte Stress, den du nachts durch „knirschen“ mit den Zähnen rauslässt und dir deshalb Kopfschmerzen bereitet.

Was kannst du also konkret tun?

Ich finde es so wichtig, dass du in diesen schwierigen Momenten, in denen dein Kind nach „Aufmerksamkeit“ buhlt, „innerlich einen Schritt zurück“ gehst, deine vielleicht schon verstimmten Gedanken für dich behältst und dein Kind mit einer gewissen Distanz betrachtest.
Stell dir vor, du bist ein Zuschauer, der euch in dieser Situation betrachtet. Frag dich:

  1. Was will mir mein Kind sagen? Was ist die Ursache für das Verhalten meines Kindes?
  2. Welches Bedürfnis bringt mein Kind zum Ausdruck mit dieser Strategie?
  3. Was vermisst es?
  4. Was kann ich tun, um die Beziehung zu deinem Kind zu verbessern? Und auch:
  5. Was hätte ich jetzt als Kind in diesem Moment gebraucht?

Wenn es dir gelingt, dein Kind zu verstehen, dann löst sich meist das Problem von alleine.

Denn der „Ruf nach Aufmerksamkeit“ durch unerwünschtes Verhalten ist fast immer der Wunsch nach Vertrauen, Verbundenheit, Selbstbestimmung, Autonomie, Nähe oder liebevoller Regulation und vor allem eines: (bedingungsloser) Liebe.

Und doch…

… fällt es dir manchmal so verdammt schwer, die Wut deines Kindes auszuhalten. Zu begleiten. Vielleicht hilft dir dann dieser 6-Schritte-Fahrplan, damit du nicht selbst an die Decke gehst. Gleich kostenfrei holen, ausdrucken, aufhängen!
 

DEINE 6-SCHRITTE ZUR WUT-DEESKALATION

 

Du merkst es richtig: ein Tropfen noch auf dem heißen Stein und du gehst an die Decke. Damit das nicht passiert: Hol dir deinen Fahrplan, um ruhig zu bleiben.

Geschafft! Schau gleich mal in deine Mailbox.

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