#Alltag #Beziehung

Gemeinsam durch die Krise: in jeder Veränderung steckt eine Chance

von Manuela

5 Wochen

Corona fordert uns alle. Nachhaltig. Ja, das, was gerade ist, macht mich nachdenklich. Sehr sogar. Erst die Nachricht, dass Kinder Schulen, Kindertageseinrichtung, Kindertagespflegestelle oder Heilpädagogische Tagesstätte nicht mehr betreten dürfen und nun auch noch der „Katastrophenalarm“ oder „Shut down“ zieht so unglaublich viele Fragen mit sich.

  • Wie soll das gehen? Wer betreut die Kinder?
  • Wer kümmert sich um die Großeltern, die sonst vielleicht in der Familie helfen, aber jetzt zum Selbstschutz besser zu Hause bleiben?
  • Was passiert, wenn einer in Quarantäne ist? Wer kümmert sich dann?
  • Wie können wir uns als Familie organisieren – als Paar, als Individuum, so, dass jeder noch einen Raum für sich hat?
  • Wie schaffen wir es als Eltern nun „alleine“ alles zu wuppen, wo das „Dorf“ (also die Unterstützung von Familie, Freunden, Nachbarn, Vereinen usw.) nun NOCH KLEINER ist, als es eh schon ist?
  • Wie ist das mit all den Selbstständigen, kleinen Betrieben? Ihre Existenz?

In einer Krise zu sein, bedeutet, dass wir der Veränderung nicht mehr ausweichen können. Dass sie da ist.

Was also können wir davon lernen?
Welche Möglichkeiten stehen uns nun offen?

Was ist das Gute an der Krise?

Veränderung heißt Wachstum

Die Vergangenheit ist nicht die Zukunft. (Bodo Schäfer)

Ich glaube, wir stehen alle vor großen Veränderungen und ich sehe auch viel – wirklich viel – Potenzial für einen Wandel in verschiedenen Bereichen.
Bodo Schäfer sagt „Die Vergangenheit ist nicht die Zukunft.“ und ich finde, das passt gerade wunderbar:

Hättest du dir noch vor ein paar Monaten vorstellen können, dass das, was jetzt ist, möglich wäre?

Sicherlich nicht. Und genau deshalb liegt hier die Chance:
Wir wissen noch gar nicht, was in den nächsten Wochen alles Gutes passieren kann. Wenn wir zusammenhalten, uns solidarisieren, nach vorne Blicken und bei klarem Gedanken nach Lösungen suchen. 

Ich persönlich sehe zum Beispiel im Bildungswesen – aber auch beim Thema Gleichberechtigung, der Wertschätzung bestimmter Bereiche, dem menschlichen Miteinander, der (Paar-) und auch Eltern-Kind-Beziehung – so viele Potenziale!

Ich bin davon überzeugt, dass es für Familie eine große Chance ist, wirklich zueinander zu kommen.

  • Lösung zu finden für Themen, die ihr schon lange mal „anpacken“ wollt.
  • Lösungen, wie ihr euch als Team weiter, besser, anders aufstellen möchtet
  • Darüber zu sprechen, was sonst nicht ausgesprochen wurde
  • Zeit zu haben für einander – und auch für die eigenen Gedanken („Was ist mir wichtig im Leben? Was will und brauche ich eigentlich?“)

Und gleichzeitig ist genau das der größte Albtraum für viele – aufeinander sitzen, sich „aushalten“ und dann, im Konflikt miteinander konfrontiert zu werden. Den Themen gerade nicht mehr aus dem Weg gehen zu können.

Der Begriff Slow Family bekommt jetzt in Zeiten von Corona und Schließungen so richtig seine Bedeutung.

Ja, ich bedauere, dass wir uns zueinander so entfremdet und voneinander entfernt haben – weil unsere Gesellschaft so ‚funktioniert‘. Weil wir es gar nicht anders kennen, als dieser Uhr, dem Druck von Außen, den Rahmenbedingungen, dem „so ist es halt“ hinter zu hetzen, scheinbar alternativlos und ausgeliefert. Mit dem Fokus auf das Indivium, auf den Erfolg des Einzelnen „Ichs“ statt den Zielen des „Wirs“.

Der Begriff Slow Parenting/ Slow Family ist das, was uns jetzt endlich zueinander bringen kann. Entschleunigung.

Es geht nur gemeinsam – als Paar

So oft wird thematisiert: Care-Arbeit ist Frauenarbeit. Dass es die Mama ist, die sich verantwortlich fühlt und zu Hause bleibt. Und ich sehe hier bereits die erste Chance zum Wachstum – als Paar, in der gemeinsamen Familie.

Diese Krise nun zu schaffen geht wirklich nur, wenn beide Elternteile im gleichen Maß unterstützen und sich die Care-Arbeit aufteilen. Denn in der Regeln sind es die Mamas, die zu Hause bleiben, im Home Office für ihren Arbeitgeber da sind und sich gleichzeitig um die Kinder kümmern, während der Partner „in Ruhe arbeitet“. Eine „on top“ Belastung, die nicht zu stemmen ist alleine!

Es ist mir persönlich daher ein großes Anliege, dass wir unsere Ideen von „Mutter / Frau – Sein“ und „Vater / Mann – Sein“ überdenken oder im Idealfall sogar die nächste Zeit (gerne dauerhaft) über den Haufen werft.
Kinder zu „erziehen“ ist geteile Verantwortung!
Kinder brauchen immer beide Elternteile in ihren unterschiedlichen Arten – Mama und Papa.

Wenn ihr zusammen Verantwortung zeigt für eure Kinder und gleichermaßen Zeit mit ihnen verbringt. Es geht, da hilft viel Struktur und Planung – und ihr profitiert alle davon.

Gleichberechtigung beginnt nämlich zu Hause.

Wir-Gefühl: Gemeinsam und kooperativ statt alleine im Wettbewerb

Wir Menschen sind Entdecker und Gestalter – wir sind gemacht – unsere Gehirne sind gemacht – uns beständig, überall und zu jeder Zeit anpassen zu können.
Unser Wissen, unser Erfahrungen geben wir dann (epigentisch sogar) weiter – von Generation zu Generation.

Wir lernen jetzt plötzlich in einer auf das Individuum gerichteten Gesellschaft, dass wir alle miteinander verbunden sind.

Corona gibt uns die Chance, wieder zu unserem Ur-„Wir-Bewusstsein“ zurück zu kehren, ein neues, noch nicht da gewesenes  aktives „Wir“ zu formen, uns auf den Weg zu machen, füreinander da zu sein und Lösungen zu finden.

Gemeinsam das Gefühl von Ohnmacht und Hilfslosigkeit zu überwinden und mit den Erfahrungen, Ideen, der Kreativität des Einzelnen neue Möglichkeiten für die ganze Gesellschaft zu finden.

Das ist so ein Geschenk!

Wie lange könnte ein Gesamtorganismus […] wohl überleben, wenn seine Lunge mit der Leber, sein Darm mit dem Pankreas oder sein Hirn mit dem Herz in Konkurrenz darum stritten, wer die bessere Leistung vollbringt? (Gerald Hüther).

Denn wir sind nicht gemacht für Wettbewerb und Konkurrenz – auch wenn du das vielleicht nicht glauben magst. Die Theorien von Darwin lehrten uns brav in der Schule,

  • dass Weiterentwicklung nur möglich ist im (biologische) Wettbewerb
  • dass sich nur diejenigen durchsetzen (und überleben), die besser sind als der andere (und damit überlegen)
  • dass die natürliche Ausleser der „Schwachen“ der Motor der Evolution ist.

Genau deshalb ist unter anderem unser komplettes Bildungssystem, unsere Wirtschaft so (auf konsumierende Endverbraucher) ausgerichtet, wie sie ist. Meist auf Kosten anderer.

Und doch wissen es zahlreiche Ergebnisse aus den Neurowissenschaften besser: Der Mensch kann sich nicht entfalten, seiner lösungsorientierten Kreativität hingeben, wenn er unter Druck steht.

Konkurrenz fördert nur die Spezialisierung des Einzelnen.
Miteinander fördern beziehungsfähige, lösungsorientierte, verantwortliche, sozial-kompetente Persönlichkeiten.

Gemeinsam,  bedürfnisorientiert, gleichwürdig – kann das gehen?

Ja, daran glaube ich. Gerade die vier von Juul geprägten Werte, nämlich „Eigenverantwortung, Authentizität, Integrität und Gleichwürdigkeit“ können jetzt wirklich zur Entfaltung kommen.

Und ich höre dich schon sagen:
Manuela, schön und gut, deine positive Haltung, aber:

„Wie soll das alles gehen? Wie kann ich konkret Familie und Beruf vereinbaren und gleichzeitig auch noch der Bildungspflicht nachkommen? Wie können wir es schaffen, einigermaßen friedlich miteinander umzugehen, „eingesperrt“ im Zuhause? Allen Bedürfnissen gerecht werden? (Anmerkung: das klappt nicht!) Neben dem Alltag an Haushalt und Aufgaben, die bleiben (oder gar mehr werden)?“

Mit Loslassen von den eigenen Gedankenketten, die Angst produzieren.

Angst vor der neuen Situation: Alle zu Hause

Stell dir vor:
ENDLICH fährst du in den Urlaub. In ein Land, an einen Ort, an dem du vorher noch nie warst. 
Du bist ganz aufgeregt. Es kribbelt. Du hast viele Frage, hoffst, dass irgendwie „alles klappt und gut wird“.

Kaum kommst du an, ist alles anders. Die Gerüche, das Klima, die Menschen.

Dir fallen tausend Dinge auf – dein Blick ganz scharf geworden. Du siehst gefühlt „alles“, den Müll auf der Straße und den dir unbekannte Vogel im Baum.
Nur: Wo kannst du Essen kaufen?Wo musst du hin? 

Und all das aufnehmen, wahrnehmen im Neuen ist schön – und auch anstrengend. (Deswegen reisen viele oft immer an denselben Ort, weil da schon alles „bekannt“ ist.)

Nach drei, vier Tagen jedoch bist du „angekommen“, hast dich eingespielt in die neue Umgebung. Du findest wieder Routinen, Anker und kannst plötzlich richtig genießen

Was ist jedoch, wenn…

…das jetzt eine echt tolle Zeit wird für deine Eltern-Kind-Beziehung wird, weil ihr jetzt endlich Ruhe füreinander habt euch kennenzulernen?

…ihr nicht mehr „müsst“ jeden Morgen, sondern liegenbleiben könnt, zusammen TV guckt und Popcorn macht um 10 Uhr? 

Angst vor der Überforderung

Ich sehe und fühle selbst die Angst vor der Überforderung zwischen „Alltag mit Kind“ und gleichzeitig der Vereinbarkeit von „Familie und Beruf“ – den Wunsch, diesen Spagat auf biegen und brechen schaffen zu wollen.

Das wollte ich auch, als ich 13 Wochen nach der Geburt meiner großen Tochter Vollzeit bei einem neuen Arbeitgeber in einem „Karrierejob“ anfing – und ich habe daraus gelernt.
Damals steckte ich fest in meinem/dem Bild davon, was ich als Frau, Mutter, Arbeitnehmerin, Partnerin alles „sein“ sollte, Erwartungen erfüllen „müsste“ mit all meiner hochqualifiziert Berufs-, Auslands- , Weiterbildungs- und sonst wie Erfahrungen, der Idee, dass mir als Gen Y doch alle Türe und Toren offen stünden.

Ich wagte und wollte den Spagat zwischen Karriere und Familie – ich gab so viel ich konnte, meine Ansprüche sind hoch – und ja, renkte mir doch ein Bein aus.

Denn: „Ich schaffte es nicht, allen gerecht zu werden.“ Die Rolle der Frau hatte sich zwar geändert (danke und Gottseidank!), aber die gesellschaftlichen und unternehmerischen Rahmenbedingungen nicht.
Ich war immer noch „Mutter“, mit Erwartungen, die ‚man‘ an mich stellte und die ich demnach an mich stellte.

Und genau hier würde ich weiter loslassen:
Von den eigenen Erwartungen und Anforderung.

Angst vor der den Konflikten

„Mein Sohn ist so temperamentvoll, wir gehen uns die nächsten Wochen nur an den Hals.“
“ Wir schlagen uns die Köpfe ein!“
“ Die beiden Kinder fauchen sich nur noch an – ich komm zu gar nichts!“

Wenn Kinder aufhören zu kooperieren, dann wurde entweder ihre Kooperationsbereitschaft überstrapaziert oder ihre Integrität verletzt. Es geschieht niemals, weil sie nicht kooperieren wollen. (Jesper Juul)

Ja, ich denke, dass die ersten Tage mit „allen Kindern nur noch zu Hause“ anstrengend werden, weil es eine Umstellung für alle ist – eben wie beim Reisen. Es dauert, bis du dich „eingegroovt“ hast und dann kannst du es aber richtig genießen. 

Konflikte sind außerdem wichtig – und gut.

Ein Konflikt hilft dir herauszufinden,

  1. wo du jetzt gerade stehst: Wie es dir geht, was du brauchst
  2. wo dein Gegenüber gerade steht: Was er/sie gerade braucht
  3. deine und eure persönlichen Grenzen kennen und wahren zu lernen
  4. wer du wirklich bist, was deine Werte sind
  5. wie du damit umgehst und löst – idealerweise gewaltfrei

Tipps für den Alltag

➡️ Ganz im Sinne des Lebensprinzips Slow Parenting: Struktur geben und gleichzeitig flexible und spontan sein. Sturkturgebung findet in jeder Familie anders statt – findet eure Zeiten für Essen, Bewegung, Pausen, Kuscheln!

➡️ Unterbrechungen als Geschenk sehen: Meine Kinder sind oft und viel zu Hause, statt im Kindergarten und es ist eine Herausforderung selbstständig zu sein, ein Unternehmen zu haben, zu arbeiten während die Kinder zu Hause sind. Wenn du die Chance hast im Homeoffice zu arbeiten, dann wirst du sicherlich unterbrochen. Nimm es als Geschenk. Kinder verhalten sich damit ganz kindgerecht – brauchen dich, deine Nähe, deine Zuwendung. Jede Unterbrechung heißt ab heute: tief atmen und dein Kind umarmen. So tust du euch beiden direkt etwas Gutes – ihr schüttet positive Hormone aus und bleibt gesund (denn Stress und Angst hemmt bekanntlich unser Immunsystem).

➡️ Langeweile zulassen! Nein, Kinder brauchen nicht ständig bespaßt werden. Unser Gehirn braucht Langeweile, damit Kreativität entsteht. 

➡️ Nein sagen: Ein ’nein‘ zu anderen ist immer ein ‚ja‘ zu sich selbst. Das gilt für dich UND für deine Kindern.

➡️ Weniger ist mehr: Weniger Input, weniger Erziehung, weniger ‚müssen‚, weniger „ich kann doch nicht“ 

➡️ Gelassenheit und einfach die Momente und Kind(er) genießen (üben)

➡️ Spielen löst Konflikte, spielen fördert die Beziehung, spielen ist für Kinder gleichbedeutend zu lernen oder arbeiten. Es ist nicht einfach „irgendeine“ Beschäftigung, die Kinder nachgehen, sondern DAS Instrument des Wachstums schlecht hin. Spiele mit deinen Kinder. Lass sie spielen. Gib Ideen, Inspirationen, Anregungen und genieße einfach nur zu beobachten statt zu lehren, zu urteilen #spielenstattpanik

➡️ trotzdem auch für dich als Mama oder Papa: Ruheinseln schaffen, Zeiten nur für euch!

➡️ Rituale finden.

➡️ Dinge tun, die dir gut tun und alles unwichtige sein lassen

Die herausfordernde Zeit miteinander gestalten:

Eben weil die Situation momentan ist für sehr viele Familien anstrengend und überfordernd ist, ist es so wichtig, dass Eltern so gut es geht die Ruhe bewahren, auf sich schauen, positiv, zugewandt und liebevoll sind – zu ihrem Kind aber auch zu sich selbst.

Deshalb habe ich dich öffentliche Facebook-Gruppe „Raus aus dem Alltag – Rein in die Familie“ ins Leben gerufen.
Hier geht es neben der Impulse zur einen bedürfnisorientierte Eltern-Kind-Beziehung auch um Austausch untereinander: Getreu dem Motto „Eltern helfen Eltern – wir halten zusammen!“.


All das in der Hoffnung, dass die Inhalte und die Gruppe Unterstützung bieten.

Komm gerne dazu!

Deine Anspannung ist groß?

Dann hol dir direkt diesen Fahrplan, um im Miteinander mit deinen Kindern ruhig zu bleiben!
 

Weiterführende Literatur 

Dibbern, Julia / Schmidt, Nicola (2016): Slow Family. Sieben Zutaten für ein einfaches Leben mit Kindern. München: Beltz.
Hüther, Gerald (2017): Was wir sind und was wir sein könnten. Frankfurt am Main: Fischer Verlag.
Stern, André (2016): Spielen, um zu fühlen, zu lernen und zu leben. München: Elisabeth Sandmann Verlag. 
Solter, Aletha J. (2013): Spielen schafft Nähe – Nähe löst Konflikte. München: Kösel Verlag.

DEINE 6-SCHRITTE ZUR WUT-DEESKALATION

 

Du merkst es richtig: ein Tropfen noch auf dem heißen Stein und du gehst an die Decke. Damit das nicht passiert: Hol dir deinen Fahrplan, um ruhig zu bleiben.

Geschafft! Schau gleich mal in deine Mailbox.

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