#Alltagstalkdonts

Sprache ist Bindung

von Manuela

„Kannst du nicht einmal aufpassen?“

Fallbeispiel: Der Porzellanelefant fällt. Du bist echt frustriert. Er hat dir so viel bedeutet – es war ein Erinnerungsstück, von damals, aus der DDR, in den Westen geschmuggelt…an diesem Elefanten hängen so viele Erinnerung. Und jetzt liegt er da, zerbrochen in 1000 Teile.

Das war keine Absicht, natürlich nicht. Und ich verstehe den Schmerz, den du genau dann hast.

Doch: Was ist eine Vase (wert) im Vergleich zur emotionalen Sicherheit deines Kindes?
Was macht es mit deinem Kind, wenn du es jetzt genau schimpfst, dein Gesicht voller Zorn ist?

„Kannst du nicht einmal aufpassen“ – ein kleiner Satz mit so vielen negativen Ankern.

1. ‚Nicht einmal‘ bedeutet, dass dein Kind wirklich nie aufpasst. Es nicht einfach pauschal gesagt, es ist im Wort auch so gemeint. Verallgemeinerungen sind hart, tun weh. Das ist auch so bei ‚immer‘.

2. Mal ehrlich, Hand auf’s Herz: ‚Aufpassen‘, heißt was konkret? Und wann? Wie oft?
Kinder können oft noch nicht vorausplanen, vorhersehen, was passiert, wenn…
Sag besser, was dein Kind genau machen soll.

„Halte es den Elefanten gut fest.“ oder
„Schieb das Glas weiter zum Tisch rein, es steht so knapp an der Kante.“ oder auch in Form von beschützender Macht: „STOP! Schau erst links, ob ein Auto kommt!“ (statt: „Pass auf!“ Worauf denn???)

3. In der Summe der Teile ist versteckt, dass ich dem anderen Schuldgefühle machen möchte, dass ich es verurteile für die „Unachtsamkeit“.

Beim Kind kommt an,

  • dass es „zu dumm“ ist,
  • dass es die Verantwortung nun trägt dafür, dass ich es als Elternteil nun so bewerte und
  • auch noch traurig bin über sein Fehlverhalten.

Ich kann es meinen Eltern dann echt nicht recht machen. Ich bin nicht gut genug. Irgendwas stimmt nicht mit mir (als Mensch).⠀⠀⠀⠀⠀⠀

Perspektivenwechsel lohnt sich

Aber passiert uns das nicht allen mal, dass wir im Eifer des Gefechts irgendwas „kaputt machen“? Natürlich!
Würden wir so mit unserem Partner sprechen, wenn ihm das passiert?
Und wissen wir nicht selbst ganz genau, was uns da gerade für ein Missgeschick passiert ist?
Ärgern wir uns selbst nicht schon?
Schämen wir uns nicht bereits?

Ganz sicher.
Deinem Kind geht es genauso. Glaub mir. Es braucht nicht noch die Bestätigung von außen dazu.

Es fühlt sich dann emotional sicher, geboren, wenn wir in solchen Moment einfach respekt- und liebevoll handeln.

Das geht, indem wir empathisch reagieren, weil wir uns (auch) in unser Gegenüber versetzen (aktives oder empathisches Zuhören):

„Oh. nein, jetzt ist er kaputt. Oh…“ (Deine Körpersprache spricht tausend Bände, dass du traurig bist, ganz bestimmt!)
„Das kann jedem mal passieren. Ich glaube, den können wir nicht mehr kleben, was meinst du? Ich hatte viele Erinnerungen an den Elefanten, aber die habe ich auch, wenn er kaputt ist.“

So entsteht Verbindung. 
Sprache ist Bindung.

 

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