Beziehung

"Müsst ihr andauernd streiten?"- "Aber sie hat angefangen!"

von Manuela

Streit unter Geschwistern – Der Geschwisterkonflikt im Kindesalter

Das Spielzeug der Schwester ist plötzlich attraktiver als das eigene und zack ist der Geschwisterkonflikt entbrannt.
Der Große ist schlecht gelaunt und haut scheinbar „grundlos“ auf seine kleine Schwester ein – und schon gehen die Sirenen an.

Der Streit unter Geschwistern im Kindesalter bis hin zum Geschwisterstreit in der Pubertät ist etwas Alltägliches und doch zerrt es ungemein an den Nerven der Eltern.

Immer wieder begegnen mir in meiner Community Fragen zum Geschwisterstreit – gerade jetzt noch mehr als sonst – weshalb ich diesen Blogartikel für euch verfasst habe. Besonders häufig erhalte ich die Fragen:

  • Bis zu welchem Punkt ist ein Streit unter Geschwistern normal?
  • Muss ich „ständig“ dabei sein und eingreifen?
  • Wie kann ich den Streit zwischen den Geschwisterkindern schlichten?
  • Was tue ich, wenn meine Kinder sich im Streit wehtun?

Sie kommen dir bekannt vor? Dann lass uns starten!

Geschwisterstreit ist ganz normal

Erst mal vorweg: Dass deine Kinder sich in die Haare kriegen, ist vollkommen normal und gleichzeitig sogar wichtig. Der Geschwisterstreit ist ein Baustein in der Moralentwicklung – Werte werden ertastet und auf ihre Beständigkeit getestet, Fairness und Gerechtigkeit werden geübt.

Gleichzeitig ist ein Streit untre Kindern ein ungeübter Aushandlungsprozess, der ihnen zeigt, wie man verhandelt, Interessen vereint, sich auf Regeln einigt, moralische Kodizes geltend macht und wie man Win-Win-Lösungen findet, die für alle passen.
Er dient außerdem unheimlich dazu, dass Kinder 
sich selbst kennen- und vom anderen Individuum abgrenzen lernen und im geschützen Zuhause miteinander Konflikte üben – damit sie „draußen“ dann dafür gewappnet sind.

Ja, auch wenn es anstrengend ist und dir denkst: „Das gibt’s doch nicht, müssen die sich ständig streiten?“

Geschwisterkonflikte sind individuelle Lernprozesse mit Rück- und Fortschritten, der viel Übung und auch Geduld brauchen. Auf allen Seiten. (Besonders dann, wenn du keine Kraft mehr hast dafür und deine eigenen Bedürfnisse im Mama-Alltag zu lange hinten an stehen.)

Geschwisterkonflikte sind immer einzigartig

Und doch laden Geschwisterkonflikte, wenn sie in eine echte Rivalität ausarten, dazu ein, genauer hinzusehen:

  • Was ist wirklich die Ursache dafür?
  • Worum geht es dem Kind / den Kindern wirklich?

Eine pauschale Antwort kann auf den Umgang mit Geschwisterkonflikten nicht gegeben werden

Warum? Weil keine Familie der anderen gleicht. Das Alter der Kinder, der Altersunterschied, die Entwicklungsphase der Kinder, die familiären Bedingungen, das Umfeld, ja sogar die Jahreszeit oder auch die Auswirkungen der Kontaktbeschränkungen der Corona-Pandemie und damit einhergehenden Anspannungen bei den Eltern und Kindern selbst, zusätzlichen Vereinbarkeiten und Verantwortlichkeiten (z.B. Homeoffice, Homeschooling, Home-Kindergardeining) spielen eine Rolle beim Streit unter Geschwistern.

Und das ist nur ein kleiner Ausschnitt der möglichen Auslöser bzw. der Faktoren die einen Streit bedingen können. Nicht umsonst nimmt dieses wichtige Thema einen sehr großen Raum in meinem Mentoring Programm „Gemeinsam wachsen: Von der Wut zur respekt- und liebevollen Eltern-Kind-Kommunikation“ ein, bei dem wir oftmals über mehrere Wochen immer wieder Lösungsansätze für die jeweilige Beteiligte erarbeiten. 

Einige allgemeingültige Tipps habe ich dennoch für dich hier zusammengestellt. Denn es gibt zumindest einige Dont´s die es unbedingt zu vermeiden gilt, wenn der Geschwisterstreit unter den Kleinen zu eskalieren droht.

Was tun, wenn der Geschwisterkonflikt eskaliert?

Die Nerven liegen blank und manchmal weiß man sich einfach nicht anders zu helfen als das ältere Kind beim Geschwisterkonflikt zu maßregeln, zu beschuldigen oder gar zu bestrafen.

Wer kennt es nicht? Na, ertappt? Das ist uns allen bestimmt schon mal im Eifer des Gefechts passiert. Unsere Reaktion ist nur leider nicht förderlich für das weitere Zusammenleben.

Eine allgemeingültige Lösung für den Umgang mit einem Geschwisterkonflikt habe ich wie gesagt nicht für dich. Doch diese 5 Dont´s werden dir helfen, bestimmte Verhaltensweisen und Reaktionen bei dir selbst im ersten Schritt zu erkennen und sie dann in kleinen Schritten zu vermeiden.

Fünf Reaktionen, die du besser vermeidest und dadurch das familiäre Zusammenleben verbessern

1. Urteilen

Schnell ist man dabei die Situation zu beurteilen und eines der beiden Kinder zu beschuldigen. Warum tun wir das? Warum ist es wichtig, ein Urteil darüber zu fällen? Die problemorientierte Haltung bei einem Konflikt ist kontraproduktiv und hilft niemanden weiter. Das Annehmen der Situation und die Besinnung auf eure (Familien-)Werte und Regeln (z.B. für gemeinsame oder eigene Spielsachen usw.) helfen dann erste Lösungswege zu gehen.

2. Den Großen beschuldigen

Vom Urteilen gehen wir meist direkt über zum Beschuldigen. Wir spielen Richter und geben dem älteren Kind automatisch die Schuld, denn es sollte es ja besser wissen, weil es älter ist.

Dabei kann der Geschwisterkonflikt genauso vom jüngeren Kind ausgelöst worden sein. Letztlich wird die Schuldzuweisung für das Selbstwertgefühl des älteren Kindes nicht förderlich sein und führt auch keinerlei Lösung für das Problem herbei. Eine Steigerung dessen wäre die direkte Betitelung eines Gewinners und Verlierers. Oftmals sorgt unser Verhalten somit für noch mehr Streit – und das besonders dann „heimlich“, wenn du nicht dabei bist.

3. Nur eine Seiten hören

Vielleicht haben wir den Geschwisterstreit sogar beobachtet und uns somit unterbewusst bereits ein Urteil gebildet.

Dabei vergessen wir oft wie wichtig es ist, beiden Kindern zuzuhören und uns ihre Wahrnehmung zum Geschwisterkonflikt zu erzählen. Vorausgesetzt natürlich, dass beide Kinder bereits sprechen können. Es bietet außerdem die Chance den Gründen des Streits auf der Spur zu kommen und gibt den Kindern das Gefühl wahrgenommen und vor allem gewertschätzt zu werden. 

4. Frieden einfordern oder erzwingen

Der Geschwisterstreit hat soeben stattgefunden und weil wir das Bedürfnis haben, dass unsere Kinder sich vertragen, „zwingen“ wir sie dazu Frieden zu schließen.

In erster Linie, damit es uns Eltern besser geht. Der Wunsch nach Harmonie und friedlichem Miteinander ist oft so groß, dass wir das langfristige Ziel aus dem Auge verlieren: Kinder begleiten, ihnen helfen, ihre Bedürfnisse zu erkennen, zu erfüllen, gemeinsam nach Lösungen zu suchen, die für alle in Ordnung sind.

So rational funktioniert das natürlich nicht bei einem emotional aufgeladenen Hin- und her zwischen den Geschwistern. Ganz gleich, ob wir es als eine Nichtigkeit empfinden oder nicht. Für unsere Kleinen hat es eine Bedeutung und die sollte auch ernst- und wahrgenommen werden.

Darüber zu sprechen ist erst dann sinnvoll, wenn die Emotionen runtergekocht sind – und dann hilft, gemeinsam die Situation Revue passieren zu lassen.

5. Strafen

Wir haben den Streit hautnah mitbekommen und sind der Meinung zu wissen wer den Streit ausgelöst hat. Der große Bruder nimmt der kleinen Schwestern das Kuscheltier weg. Der große Bruder muss das Kuscheltier zurückgeben und wird zur Strafe in sein Zimmer geschickt.

„Immer provoziert er!“ denkst du dir. „Er muss das endlich mal lernen“, flüstert da deine Stimme.

Kinder wollen immer zwei Dinge gleichzeitig: Etwas und Nähe.(Jesper Juul)

Eine solch typische Situation dann mit einer Strafe zu lösen, haben viele sicherlich entweder selbst erlebt oder zumindest schon mal beobachtet.

Dabei ist ein „schwieriges“ Verhalten gerade dann Marker dafür, dass hier jemand Hilfe braucht.

Vielleicht ist es ein Hilferuf „gesehen werden“ des großen Bruders, da die kleine Schwester gerade besonders viel Zuneigung bekommt? Was macht es mit dem großen Bruder, der nun auch noch weggeschickt wird und „alleine spielen soll“, während Mama spielerisch das Baby wickelt?

Was ich damit sagen möchte ist, sich nicht an den vermeintlichen Fehlverhalten zu orientieren, sondern dem Verhalten auf den Grund zu gehen. Es steckt doch immer dahinter als nur der Wunsch auch mit dem gleichen Kuscheltier in dem Moment zu spielen.

Die Lösung ist so einfach und doch so komplex

Das ist alles natürlich leichter gesagt, als getan, das ist mir als Mama von zwei Kindern natürlich klar.

Es ist jedoch wichtig zu verstehen, dass es immer um Bedürfnisse geht und genau die gilt es herauszufinden.

Oft entstehen Geschwisterkonflikte auch, weil die Grundbedürfnisse nicht erfüllt – und dem kannst du grundsätzlich leicht(er) entgegenwirken:

  1. Haben deine Kinder Hunger oder Durst: Kannst du bereits präventiv etwas zum Knabbern bereit stellen?
  2. Sind deine Kinder müde oder „geflasht“ (damit meine ich reizüberflutet z.B. von einem aufregenden Tag)?

Ist das jedoch nicht der Fall, dann hilft nur der tiefere Blick. Denn, wie bereits erklärt, es kommt auf viele einzelne Faktoren an.

In meinen Gesprächen, Q&A oder Gruppencoachings mit Klientinnen gehen wir den Ursachen ganz individuell auf den Grund. Wir finden die Antriebsmotoren für die Geschwisterkonflikte, indem wir genau hinschauen und hinhören was gesagt oder getan wird – und davon bei den Kindern jeweils wirklich ankommt.

Mama hilft Kind beim klettern

Long story short

Es geht wie beim Konflikt zwischen dir und deinem Kind schließlich darum, bedürfnisorientiert, achtsam und respektvoll zu handeln. Dazu gehört es immer auch, selbst hinzufühlen, was dich am Geschwisterstreit stört, was dir wirklich Sorge bereitet.
Die achtsame Kommunikation und gewaltfreie Konfliktlösung zu erlernen und sie Schritt für Schritt gemeinsam umzusetzen, ist der Weg den ich gehe und dir im Rahmen meines Mentoring-Programms „Gemeinsam wachsen: Von der Wut zur respekt- und liebevollen Eltern-Kind-Kommunikation“ zeige.

Dabei geht es um Strategien wie Eltern es schaffen mit den Geschwisterkonflikten umzugehen und adäquat zu agieren und Herangehensweisen, um die Ursachen und Bedürfnisse der Kinder wahrzunehmen und auf sie entsprechend einzugehen.

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