#Kommunikation #Beziehung

Brauchen Kinder wirklich unseren Rat und wenn ja, wann?

von Manuela

Alles, was du über Ratschläge wissen solltest

Ein Satz, den ich kürzlich erst von einer Freundin hörte.
„Mein Vater sagte immer: „Ratschläge sind auch nur Schläge. Das beherzige ich mein Leben lang.“

In der zwischenmenschlichen Kommunikation gerade und vor allem mit Kindern geben wir viele Ratschläge, geben Informationen und Fakten, belehren.
Sehr viele! Doch warum eigentlich? Und warum sollten wir es besser lassen?

Eine Ode ans Zuhören, Vertrauen und den kindlichen Entdeckergeist.

Ratschläge helfen Probleme zu lösen?

Der ganz normale Familienalltag mit Kindern: Dein Kind würde so gerne allein 

  • in den Schuh steigen (und in den Linken mit dem linken Fuß)
  • die Schnürsenkel binden
  • eine Scheibe Brot schneiden
  • Wasser einschenken
  • mit dem Löffel essen
  • die Haare stylen wie Ronaldo
  • die Blume ausschneiden
  • ein Herz malen
  • einen Speer schnitzen
  • die Hausaufgabe verstehen und lösen
  • der Legoturm ist instabil und stürzt ständig ein
  • beim Bau eines Tipis passt etwas nicht

Die Liste ist unendlich. Doch es klappt nicht! Es will einfach nicht gehen.

Die Folge, wenn dein Kind ein Problem hat

Und dann passiert, was passieren muss:

Dein Kind jammert, es weint, schmollt, flucht, schimpft, tobt, ist unglücklich, verwirrt, verängstigt, unzufrieden.

  • Es schmeißt den Schuh in die Küche,
  • wirft die Zahnpastatube mit der halb ausgedrückten Zahnpasta auf den Boden,
  • schubst das Geschwisterkind,
  • drückt den Filzstift ins Papier oder malt mitten ins Bild rein,
  • schneidet das Papier durch,
  • wirft das Messer auf’s Brett oder in die Wiese,
  • kippt das Wasser um oder rennt gnatschig ins Kinderzimmer oder in die Ecke des Wohnzimmers und „schmollt“.

Und du bist mittendrin.
Vielleicht bist du müde, selbst angestrengt, hungrig (alles worst case), angespannt, voller Sorge und dann auch noch das.
„Oh man, was stellt sie/er sich eigentlich so an.“ Denkst du dir. Kleinreden hilft ja nichts, wie du weißt. 

Wenn jetzt noch ein Tipp kommt, kann alles aus sein

Es liegt eigentlich auf der Hand, dass wir unserem Kind helfen und sagen, wie es geht, oder? Schließlich haben wir schon die Erfahrung. Wir wissen bereits, welche Auswirkung unser Tun hat oder haben kann.

Wir können vorausschauen, dadurch Hilfestellungen vorab anbieten. Das, was da als Problem gerade da ist, kennen oder können wir schon. Wir haben das schon gelernt, Verbindungen im Gehirn aufgebaut, Synpasen gebildet und unterbewusste Vorgänge kreiert (oder musst du noch wirklich über jeden einzelnen Schritt nachdenken darüber, wie du dir genau den Schuh bindest? Vermutlich nicht.)

Und ja, Hand auf’s Herz: oft wollen wir das Problem einfach lösen. Dann ist der Schmerz vorbei.
Es ist für Eltern oft schwer auszuhalten, wenn das Kind traurig, wütend oder unglücklich ist. Wenn wir das also ändern können…

Wenn wir das Problem lösen, haben wir nämlich gleichzeitig unser Bedürfnis nach Wirksamkeit, nach Gehörtwerden, nach Bedeutsamkeit befriedigt. Wir sind wer.

Nur wenn das Kind auf den Ratschlag dann plötzlich an die Decke geht und du einen Schmerz verspürst, dann liegt plötzlich nicht mehr das Problem des Kindes im Vordergrund, sondern unser eigenes Ego.

Warum sich also Ratschläge negativ auswirken können

Unser Kind verliert seine Kreativität. Wenn es selbst Lösungen finden kann und darf, wird es kreativ, spürt seine Selbstwirksamkeit und erlangt (Ur-)Vertrauen in sich, sein Können.

Es verliert dabei gleichzeitig auch die Chance, Verantwortung für die Lösung des eigenen Problems zu übernehmen, zu tragen und unabhängig (von Eltern oder „Problem-Helfern“) zu werden.
Das „Durchleben“ des Schmerzes hilft dem Kind außerdem, die Situation anzunehmen und die heftigen Gefühle des Frusts herauszulassen und Selbstheilung möglich zu machen.

Geben wir in diesen Moment den Ratschlag, „wie man es (besser) macht“, kommt nur die Botschaft an: „Ich kann es. Du nicht.“ 

Kinder und auch Erwachsene (der Perspektivenwechsel lohnt sich immer) fühlen sich dann bevormundet. Es hilft wahrlich nicht, wenn Eltern etwas sagen, was sie selbst bereits wissen.

Weiterhin dürfen wir immer im Blick haben, dass das Gehirn auch bei Kinder im Wutanfall immer in Dysbalance ist. Heißt, dass die Gehirnhälften gerade nicht miteinander verbunden sind und vor allem das Sprachzentrum nicht erreichbar ist. Der Versuch mit sprachlichen, logischen Argumenten zu helfen, führt daher zunächst einmal in eine Sackgasse.

Was mache ich also stattdessen?

Ja, tatsächlich – einfach nur da sein, die Situation zur Kenntnis nehmen und zuhören (3 Tipps, wie das geht, findest du hier und warum „zuhören“ das Fundament von Beziehung ist, liest du hier.)

Darauf vertrauen, dass sich dein Kind von alleine bestens entwickelt und kreative Lösungen für sein eigenes Problem findet.

Dich in dein Kind einfühlen und das Wichtigste überhaupt: Ihm/Ihr helfen, das, was es da gerade empfindet, in Worte zu fassen.
Dem Kind helfen darin, Worte zu finden für die Gefühlswelt, das es gerade durchlebt und warum es das tut. 

Du kannst fragen, ob dein Kind einen Rat haben möchte oder nicht. (Es kann ablehnen!)

Auf die Rückmeldung deines Kindes warten und prüfen, ob du mit deiner Annahme überhaupt richtig lagst. Wenn sich dann dein Kind verstanden fühlt, verblassen nämlich die negativen Gefühle, das kindliche Gehirn kommt wieder ins Gleichgewicht. Dein Kind selbst kann die Situation wieder annehmen – und sogar eine Lösung für das Problem zu finden.
Dabei wächst es im Selbstvertrauen und in der Eigenständigkeit, es fühlt sich selbstwirksam und kann, wie es Gerald Hüther oft sagt, zum „Gestalter seines Lebens“ werden.

Das wirklich beste, was wir Eltern tun können, ist es, dem Kind seine Erfahrungen zu lassen. Es nicht in seiner Entwicklung „zu ziehen“ und zu schnellen (Glücks-)Erfolgen zu helfen, wenn es selbst Lösungen finden kann.

Heißt das, ich darf nie mehr einen Ratschlag geben?

Doch! Und unbedingt!
Jetzt denkst du dir vielleicht: Ist das nicht widersprüchlich zu dem, was ich gerade gelesen habe?⠀

Natürlich darfst du Ratschläge geben – und ich finde, dass wir all das, was wir oft so müsig gelernt haben, die vielen Erfahrungen unbedingt mit unsren Kindern teilen sollten! Ich fände es persönlich zu tiefst unfair, wenn ich meine Kinder „ins offene Messer“ laufen ließe und sie das Rad neu erfinden müssten.

Ratschläge sind immer dann willkommen, wenn mein Gegenüber (ob Kind oder Erwachsener) diese möchte, sie akzeptiert oder sogar konkret danach fragt.
Auch, wenn der Ratschlag wirklich relevant ist und das Kind zum Beispiel nicht zu einer Lösung kommt, dann ist ein weitere Hinweis zur Lösung wichtig.

In all diesen Fällen ist nämlich die Eltern-Kind-Beziehung im Gleichgewicht.
Wenn du mehr über respekt- und liebevolle Eltern-Kind-Kommunikation wissen und lernen willst, dann trag dich gleich auf der Warteliste meines Mentoring-Programms „Gemeinsam wachsen: Von der Wut zur respekt- und liebevollen Eltern-Kind-Kommunikation.“

 

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